Interviews
Panic At The Disco in Frankfurt
Rund um ihren Gig in Frankfurt haben PATD mehreren Journalisten Rede und Antwort gestanden.
Jetzt ist das Interview mit Regiomusik online gegangen. Darin werden unter anderem so mysteriöse Fragen gestellt wie "Wer ist eigentlich The Green Gentleman" ... Neugierig? Hier das Interview im Wortlaut:
RegioMusik: Gehe ich recht der Annahme, dass der Großteil eurer Lyrics von Ryan stammt?
Brendon: Ja, auf unserem Debütalbum schrieb Ryan die meisten Texte. Bei der zweiten Platte war dann jeder von uns in gewisser Weise beim Songwriting involviert.
Jon: Ryan war der Einzige, der Songs mit einbrachte, die textlich in einem sehr künstlerischen Stil gehalten waren. Brendon schrieb mit Co-Songwritern an einigen Songs, während Ryan sich auf seine eigenen Lyrics konzentrierte. Der Rest entstand schließlich unter uns allen.
RM: Im Booklet von "Pretty. Odd." steht aber, dass Ryan für alle Lyrics mit Ausnahme derer zweier Songs verantwortlich ist.
Jon: Ja - das ist das, was das Booklet sagt.
RM: Es lügt also?
Jon: Sicher, warum nicht ...
RM zu Brendon: Wie fühlt es sich für dich an, als Sprachrohr einer anderen Person zu fungieren und deren Gedanken und Erlebnisse fast jeden Abend auf der Bühne zu zelebrieren?
Brendon: Es macht wirklich Spaß. Musik ist einfach wie für mich gemacht. Ich mag das Performen auf der Bühne - das Singen und Gitarre spielen sowie den Umgang mit allen möglichen Instrumenten.
RM: Es stellt für dich also kein Problem dar, dass Ryan den Großteil der Texte geschrieben hat? Geht ihr in seinen Inhalten womöglich genauso auf?
Brendon und Jon: Ja.
Brendon: Wir sind tatsächlich einige Erfahrungen gemeinsam durchlaufen, sodass wir die von ihm geschriebenen Texte durchaus nachempfinden können bzw. einfach den Zusammenhang sehen. Wenn man Teil einer Band ist, verläuft das Songwriting nun mal Hand in Hand. Zur damaligen Zeit war Ryan einfach der beste Lyriker unter uns. Entsprechend machte es für uns den meisten Sinn, dass er sich den Texten widmete. Daher empfinde ich auch keinerlei Scham, die Texte anderer Personen zu singen. Das mag vielleicht auch an der Tatsache liegen, dass es mir eigentlich sogar großen Spaß macht, Songs zu covern.
RM: Eure neue Single heißt "That Green Gentleman (Things Have Changed)". Als ich die Dankesliste von "Pretty. Odd." überflog, fiel mir auf, dass sowohl Spencer als auch du (Brendon) jemanden namens 'That Green Gentleman' erwähnt. Wer ist dieser Typ und welchen Einfluss hatte er auf diesen Song?
Brendon (zögert): Ich weiß noch nicht einmal, ob ich das überhaupt beantworten kann. Ich kann dir die richtige Antwort darauf nicht geben. Es ist ein geheimnisvolles Wesen. Von dieser Person kann ich dir nichts erzählen.
RM: Dieses "Wesen" muss wohl sehr wichtig gewesen sein, dass ihr es an jener Stelle aufgelistet habt.
Brendon: Es zählt einfach zu den Dingen, zu dem Haufen an Sprüchen, die uns stets belustigt haben. Eben einer unserer Insiderwitze, der uns nicht mehr losließ und schließlich als Titel für einen Song endete.
RM: Vor einiger Zeit sagte Ryan in einem Interview, dass du (Brendon) einfach nur einen Schalter umlegen müsstest, um in die Rolle des Entertainers, den du auf der Bühne verkörperst, zu schlüpfen. Auch der Song "That Green Gentleman" weist die Textstelle "So it seems I'm someone I've never met" auf. Inwiefern hatte der Medienrummel um Panic At The Disco bisher Auswirkungen auf eure Persönlichkeit und euer Verhalten?
Jon: Dieser Textauszug bezieht sich tatsächlich auf die Presse und zwar unter dem Gesichtspunkt, dass viele Leute aufgrund des ersten Panic At The Disco-Albums zu wissen glaubten, wer wir eigentlich sind. Glücklicherweise sind wir heute wie damals jung genug, um den ganzen Mist zu durchschauen, sodass dies bislang keinen Einfluss auf unsere Freundschaft hatte.
RM: Angeblich gibt es in Las Vegas keine Musikszene und auch das Zusammenwirken unter den Bands soll dort stark von Neid, Missgunst und Konkurrenzdenken geprägt sein. Auf dem Level, auf dem ihr euch mit Panic At The Disco nun befindet: Habt ihr das Gefühl, dass ihr auf internationaler Basis immer noch einem solchen Argwohn ausgesetzt seid?
Jon: Irgendwie ist das alles schon komisch, vor allem weil ich glaube, dass es überhaupt keine Musikszene mehr gibt. Wir touren nahezu die ganze Zeit mit unterschiedlichen Bands. Beliebt kann dabei alles Mögliche sein. Wären wir etwa neidisch auf Beyoncé, würde das die geschilderte Situation nicht widerspiegeln. Bands, die wir mögen, stellen jedoch oftmals eine Inspirationsquelle für uns dar, was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass sie tendenziell auf die gleichen Dinge stehen wie wir.
RM: "Pretty. Odd." ist stark von der Pop- und Rockmusik der 60er-Jahre beeinflusst. Was genau reizte euch an der Musik dieser Ära?
Jon: Als wir mit der Arbeit am zweiten Album begannen, hatten wir überhaupt keine Vorstellung davon, wie die neuen Songs klingen sollten. Generell übte die Vergangenheit aber schon immer eine gewisse Faszination auf uns aus, sodass sich auch schon einige unserer Videos und Songs auf das frühe und mittlere 19. Jahrhundert bezogen.
Brendon: Unser Antrieb war es, die gleiche Energie, die die damaligen Künstler in ihre Musik legten, nun auch auf unsere Songs zu projizieren.
Jon: Wir beschäftigten uns mit vielen Bands aus dieser Zeit und das, obwohl wir zum Zeitpunkt ihres Durchbruchs noch nicht einmal geboren waren. Die Tatsache, dass wir in die Materie dieser Musik so viel tiefer eintauchten als in heutige Radiomusik, hatte zur Folge, dass wir erstere selbst fünfzig oder sechzig Jahre später noch immer als zeitlos empfinden. Wahrscheinlich saugen wir sie heute so in uns auf wie die Fans bei der damaligen Veröffentlichung.
RM: Während der Aufnahme-Sessions bot sich euch die Gelegenheit, mit einem Orchester zusammenzuarbeiten. Wie war das für euch?
Brendon: Es war großartig - schon allein deswegen, weil unser guter Freund Rob Mathes, der diese Platte produzierte, sich immer, wenn es ans Komponieren ging, zu einem wahren Genie entwickelte. Er besitzt eine sehr natürliche musikalische Begabung. Rob war es auch, der konsequent auf den Part der Streicher beharrte, den ich zuvor komponiert hatte. Als wir die Melodien schrieben, verbrachten wir sehr viel Zeit mit ihm - entweder bei jemandem zuhause oder im Proberaum. Dort sangen wir unsere Ideen rauf und runter, die er sich auf irgendwelchen Notenblättern notierte, um sie später für die Streicher und das Orchester zu verwenden. Alle Melodien, an die wir uns in jeglicher Weise erinnern konnten, fanden durch ihn ihren Einsatz. Ich glaube, es war für beide Seiten ein aufregender Prozess.
RM: Euer Debütalbum "A Fever You Can't Sweat Out" unterscheidet sich auf musikalischer Ebene völlig von "Pretty. Odd.". Mit einer solchen Veränderung geht oftmals auch eine gewisse Polarisierung einher. Welche Reaktionen erhieltet ihr von Seiten eurer Plattenfirma 'Decaydance Record'?
Brendon: Eigentlich sagten die Leute vom Label nicht viel dazu. Sie ließen uns einfach unser Ding durchziehen, was echt super war.
Jon: Wir hatten keine Ahnung, welche Resonanz uns für das zweite Album erwarten würde. Alles, was wir wussten, war - egal wie die Sache ausgehen sollte - dass einige es lieben und andere es hassen würden. So ist unsere Karriere zumindest die letzten dreieinhalb Jahre verlaufen. In dem Moment als uns bewusst wurde, dass wir mit dem, was wir machen, glücklich sind, war es uns auch möglich außenstehende Einflüsse und Leute, die dachten sie wüssten, was wir tun sollten, zu ignorieren. Jetzt, da "Pretty. Odd." veröffentlicht ist, wird dir jeder von uns bescheinigen, dass wir mit unserem Weg viel glücklicher sind.
RM: Nachdem ihr sechs Monate an neuem Material für das zweite Album gearbeitet hattet, habt ihr euch dazu entschlossen, alles wieder zu verwerfen. Hatte eure Plattenfirma etwas mit dieser Entscheidung zu tun?
Brendon: Es waren noch keine vollends entwickelten Ideen, sondern vielmehr sechs maximal zweiminütige Demoaufnahmen. Wir verwarfen also nur die Grundideen, um welche wir die Songs ursprünglich bauen wollten. So wie sich das Songwriting entwickelte, frustrierte es uns aber und nahm uns jeglichen Spaß. Es war einfach zu erzwungen. "Nine In The Afternoon" war schließlich der erste Song, der für "Pretty. Odd." entstand. Durch ihn entfachte unsere Kreativität von Neuem und es folgte "That Green Gentleman".
RM: Was bereitet euch den größten Spaß - und zwar ohne, dass ihr euch dazu ausziehen müsst? (In Anlehnung an den Song "Lying Is The Most Fun A Girl Can Have Without Taking Her Clothes Off".)
Brendon und Jon gleichzeitig: Hacky Sack.
Jon: Wir spielen immer zwei gegen zwei und ziehen das Ganze als Wettbewerb auf. Zunächst spielt man den Footbag seinem Partner zu, der ihn dann zum anderen Team kickt. Man kann es am Besten als eine Mischung aus Pingpong, Volleyball und eben Hacky Sack beschreiben.
Brendon: Wir spielen das jetzt schon seit drei, vier Tagen fast die ganze Zeit ...
Jon: Und beachtlicher Weise spielen wir alle ganz passabel.
Brendon: Ja, wir sind wirklich nicht schlecht!
Jon: Man kann nicht sagen, dass einer innerhalb der Gruppe wirklich schwach ist.
Brendon: Wir haben so einige Hacky Sacks, die bei dem ganzen Stress der letzten Monate auch echt erforderlich waren.
Jon: Ich habe vor zwei Tagen ein neuen Footbag in Amsterdam gekauft ...